Das Beste aus der Corona-Krise

CORONA at its best

Als ich noch ein Kind war

Spaziergänge, Radtouren, Picknick im Grünen – als ich noch ein Kind war, waren das unsere Wochenend Attraktionen. Ich glaube, ich kann an einer Hand abzählen, wenn wir an solchen Tagen einmal in eine Gaststätte eingekehrt sind und dort gegessen haben. Das war für uns Kinder das Highlight und etwas ganz besonderes. Ansonsten gab es immer Mamas Kartoffelsalat und Frikadellen. Dazu selbst gebackenen Kuchen und Getränke. Alles in der großen Kühlbox, und die war wirklich groß… und alles was wir brauchten hatten wir dabei.

Urlaub in der Ferienwohnung an der Mosel oder in anderen Ecken Deutschlands. Ausflüge ins Freilichtmuseum, wandern und mal ein Bummel durch die nächste Stadt. Das waren unsere Familienurlaube. Ich kann mich auch erinnern, dass ein paar meiner Freunde aus der Schule mit ihren Eltern in den Urlaub geflogen sind. Nach Teneriffa oder Ägypten. Aber das waren Ausnahmen und ich weiß auch, dass ich sie darum beneidet habe. Ich wäre gerne mal in den Urlaub geflogen, einfach weil ich diesen gedanken unheimlich spannend fand – vor allem der Teil mit dem Flugzeug – haha. Das erste Mal geflogen bin ich dann, da war ich 20 (!)

Ein bißchen so wie früher

Im Moment fühle ich mich in diese Zeit zurückversetzt. Nur mit dem Unterschied, dass ich die Mama bin, die die Kühltasche packt. Unterwegs sehen wir Menschen die genau wie wir spazieren gehen oder radeln, auf Bänken in der Sonne sitzen und die Natur genießen. Entschleunigung ist das große Wort dieser Zeit – auch wenn es stressig ist mit den Kindern zu Hause im homeoffice, keine Frage. Der Freizeitstress aber ist vollkommen in den Hintergrund getreten und an seine Stelle das große Geschenk, einfach mal „nichts“ zu machen. Die Sachen zusammenzupacken und loszuziehen mit dem Ziel, so wenig Menschen wie möglich auf seinem Weg zu begegnen.

Die Einfachheit dieser Zeit fasziniert mich und ich bin der festen Überzeugung, dass wir für ein glückliches und erfülltes Leben viel weniger brauchen als wir denken. Im Gegenteil, je mehr wir uns der Zwänge und Verpflichtungen entledigen, immer das neueste vom Neuesten besitzen zu wollen, das Größte, das Beste, das Schönste – und die abgeliebten Dinge nicht mehr nur entsorgen, weil sie mit der Zeit die Spuren unseres Lebens gezeichnet haben, dann sind wir in der Lage unsere Entscheidungen für das, was uns gut tut und was wir wirklich brauchen frei und ohne Scham zu fällen. Und das wir die Wahl dazu haben ist ein absoluter Luxus.

Ein bißchen so soll es bleiben

Die Corona Krise verlangt uns allen ab. Wir werden diese Zeiten nicht mehr vergessen. Jeder hat seine ganz eigenen Geschichten und Erfahrungen dazu. Trotzdem und vor allem deswegen wünsche ich mir, dass wir uns ein bißchen „Corona“ behalten sollten. Unser Sohn geht seit dieser Woche wieder zur Schule und auf die Frage in einer Hausaufgabe, wofür er dankbar sei, schrieb er „für Corona“. Für Corona? „Ja, weil es der Erde jetzt besser geht, weil nicht mehr so viele Flugzeuge fliegen und nicht mehr so viele Autos fahren und das tut der Erde gut.“ Natürlich reden wir hier bei uns zu Hause auch über diese Themen, trotzdem freue ich mich, dass er diesen Dank für die Erde einem persönlichen vorangestellt hat.

Muss es denn wirklich der Flug in die Ferne sein oder kann ich nicht auch in meinem Umfeld Urlaub machen? Muss ich alles selbst gesehen haben, mich im Herdentrieb überall hingequetscht haben nur um das nächste selfie posten zu können? Wir werden es diesen Sommer sowieso erfahren denn ich glaube nicht, dass Reisen ins Ausland dieses Jahr so umfangreich stattfinden werden wie wir es gewohnt sind. Und will ich wieder in mein altes Kauf- und Konsumverhalten zurückkehren oder habe ich in den vergangenen Wochen festgestellt, dass ich doch viel weniger brauche als ich immer dachte?

Eine Welt, wie sie mir gefällt

Und wie soll das Bitte funktionieren, wenn keiner mehr was kauft? Corona zeigt uns doch schon jetzt, was mit unserer Wirtschaft passiert wenn die Kaufkraft sinkt!

Diese Frage ist berechtigt und ich denke schon sehr, sehr lange darüber nach. Wir haben ins diese Welt so erschaffen und das über lange Jahre. Sie lebt vom Konsum und der ständigen Erneuerung. Wir sind aber schon lange über den Punkt hinaus, dass wir uns diesen Konsum noch leisten könnten. Ich habe mich in einem früheren Artikel dieser Thematik schon von außen angenähert – meine eigenen Gedanken dazu verfasse ich nun hier.

In meiner Welt sollten alle Produkte ihren wahren WERT haben. Nichts sollte so billig sein, dass es gleichermaßen wertlos ist. Alles sollte seinem Aufwand entsprechend bewertet und bepreist werden. Ein gutes Beispiel ist die Bekleidungsindustrie. Ich will keine Massenproduktion zu Billigpreisen sondern einen Preis, der die Baumwollplantagen und damit die Umwelt in ihrem Produktionsdruck entlastet, die Bauern und Näher/innen gut bezahlt und mir das Gefühl gibt, ein Teil gekauft zu haben welches teuer war und was ich wirklich haben wollte. Ich habe es nicht einfach aus der Laune heraus noch mit in die Einkaufstasche gestopft sondern dreimal überlegt, ob es mir das Wert ist. Das Prinzip Fast Fashion darf es nicht mehr geben, ebenso das Prinzip der „Fast Electronic“ und jeder anderen industriellen Vorgehensweise, die den unnötigen und schädlichen Konsum/ Ressourcenverbrauch vorantreibt. Ein bißchen so wie früher halt, als man die Gebrauchsgüter noch auf lange Sicht anschaffte und nicht mit dem Ziel, sie bei der nächsten Geschmacksänderung oder mit der neuesten Generation auszutauschen…

Eine Welt, die Zukunft hat

Die Corona Krise hat der Welt einen kurzen Moment zum durchatmen verschafft. Jetzt, nach den ersten Lockerungen verändert sich das Bild jedoch schon wieder. Mehr Verkehr auf den Straßen, hier und da ein Flugzeug am Himmel, Cafés, Restaurants, Läden haben wieder geöffnet und die Städte füllen sich. Und doch ist das Tempo nicht mehr das gleiche. Die Auswirkungen der Corona-Krise werden uns noch lange bestimmen. Wir haben es jedoch in der Hand, mit den Erfahrungen aus dieser Zeit neue Wege zu gehen – die Krise als Ausgangspunkt für einen Neuanfang.

Wir werden noch genug Zeit haben, uns mit unserem neuen Leben anzufreunden und dabei sollten wir eines immer im Blick behalten: Was wirklich wichtig ist – für mich, für uns und für unsere Zukunft!



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