Fast Fashion

FAST Fashion – wir shoppen uns in Grund und Boden!

Vor ein paar Tagen, beim Befüllen der Säckchen für den Adventskalender, habe ich nebenbei den Fernseher laufen lassen. Zufällig war der ndr noch drin und ich sehe gerade, wie Esther Schweins auf einen Berg blauer Müllsäcke klettert. „Oh, Esther Schweins“ denke ich, „die habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen“ und muss dabei an Samstag Nacht denken *grins*

Fast Fashion – 5 Tonnen „Altkleider“ alle 2 Minuten

Was dann kam war leider gar nicht zum Lachen denn in diesem Fall handelte es sich nicht um Müllsäcke sondern Säcke voller Altkleider – 5 Tonnen um genau zu sein, die in Deutschland alle 2 Sekunden anfallen…! Also, alles, was ich in die Altkleider gebe ist meist so hin, dass ich mir Container aussuche von denen ich weiß, dass der Inhalt zu Faserschnipseln zerschreddert wird, die dann wieder zu Putzlappen usw. verarbeitet werden. Das wenigste ist noch tragbar. Die Sachen der Kinder, die noch gut sind verschenke ich weiter und falls ich mal was von meinen Sachen aussortiere (was selten vorkommt, kann mich da so schlecht trennen ;o) geht es zum Beispiel in die Kleiderkammer.

Nun ja, in diesen Säcken sind aber so die Altkleider, was die meisten wohl „Altkleider“ nennen, nämlich alte Kleider, sprich aus der letzten Saison, dem letzten Modetrend oder der letzten Kleidergröße. Mitnichten war der Inhalt dieser Säcke abgetragen oder kaputt. Passanten wurden eingeladen zu stöbern und mitzunehmen was passt und gefällt. Teilweise waren es sogar neue Teile an denen noch das Etikett hing, einmal gekauft, in den Schrank gepackt, unter der Flut neuer Kleider vergraben, vergessen und am Ende aus Platzmangel für die noch neueren und noch schöneren Sachen ausgemustert!! Das hat mich wirklich entsetzt – diese Masse an Kleidung die für schlecht befunden und weggeworfen wurde, an der aber absolut kein Makel war ausser vielleicht das falsche Muster, weil im Moment wieder der Leo und nicht der Blumenprint „in“ ist.

Fast Fashion – weder sozial, noch ökologisch

Das Thema ökologisch korrekter Kleidung hatte ich bisher eher stiefmütterlich behandelt. Mein Rezept war bis dato wenig neu kaufen, auf Naturfasern ohne Synthetik achten und second hand. Mit zunehmender Sensibilisierung und Dank dieser Reportage habe ich aber so viele neue Informationen zu dieser katastrophalen Entwicklung im Modemarkt, dass ich hier heute einen umfangreichen Beitrag dazu verfassen möchte.

Wir alle wissen, spätestens seit dem Einsturz eines Nähereigebäudes in Bangladesch, dass vor allem Billigmode unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird. Mir war auch bewusst, dass für den Baumwollanbau im konventionellen Bereich viele Pestizide eingesetzt werden. Für die Arbeiter auf den Plantagen meist ohne entsprechende Schutzmaßnahmen. Nicht zu vergessen der immense Wasserverbrauch für die Pflanzen bis zur Ernte.

Was mir aber nicht bewusst war, dass der Baumwollanbau aufgrund der gestiegenen Nachfrage mittlerweile so angewachsen ist, dass er Studien zufolge rund 1,2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr verursacht. Das ist mehr als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammengerechnet!!! Und da frage ich mich die ganze Zeit, ob ich jemals noch mal in den Urlaub fliege – die Frage sollte wohl eher lauten, ob ich jemals noch mal ohne schlechtes Gewissen ein T-Shirt kaufen kann…!

Fast Fashion – Chemikalien ohne Ende

Laut Greenpeace werden bis zu 3.000 Chemikalien während der Herstellung von Bekleidung eingesetzt. Die Abwässer aus den Fabriken vergiften dort das Grundwasser und somit auch das Trinkwasser, Flüsse und Seen. Ich erinnere mich noch an die Detox-Kampagne von Greenpeace, die Unternehmen wie H&M dazu aufforderte, die giftigen Chemikalien zum färben, bleichen und bearbeiten der Stoffe durch ungefährliche zu ersetzen. Zumindest in diesem Punkt hat sich seitdem etwas getan. Mittlerweile haben sich weltweit viele Modemarken der Initiative angeschlossen. Ziel ist es, bis 2020 schadstofffrei zu arbeiten.

In der Reportage wurde auch über Funktionskleidung berichtet. Vor allem Outdoorkleidung ist extrem belastet mit per- und polyfluorierten Chemikalien die die Kleidung gleichzeitig atmungsaktiv und wasserabweisend gestalten. Diese Chemikalien sind gesundheitsschädlich und nicht biologisch abbaubar. Greenpeace fand diese Chemikalien schon auf dem Himalaya oder den Anden und nicht nur, weil da schon mal einer mit seiner wasserfesten Outdoorjacke rumgekrackselt ist, sondern weil diese Chemikalien auch über Wind und Wasser überall hingeweht werden. Verrückt, da tust du was für deine Gesundheit, gehst Wandern oder Joggen und bist am Ende unfruchtbar.

Fast Fashion – Mit Polyester „gestreckte“ Baumwolle

Bei meinem letzten Versuch, Jeanshosen für unseren Großen zu kaufen musste ich ja schon mit Entsetzen feststellen, dass ich fast keine Jeans mehr ohne Polyesteranteil bekomme. Dank der Reportage kenne ich jetzt auch den Grund: Fast Fashion! Klingt fast so wie fast food und meint auch dasselbe – günstige Mode schlechter Qualität, weder nachhaltig noch gesund. Den guten alten Schlussverkauf gibt es ja schon lange nicht mehr, stattdessen gibt es jetzt Kollektionen – und zwar nicht nur Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter sondern passend für jede Gelegenheit. Die ein oder andere Shoppingqueen muss da aufpassen, dass ihr Teil nicht schon wieder out ist bevor sie es in ihrer Plastiktüte bis nach Hause gefahren hat!

Um auch diesen enormen Verbrauch an Stoffen liefern zu können, setzen die Hersteller immer mehr auf Kunstfasern und Mischgewebe. Auch die Qualität der Kleidungsstücke wird immer minderwertiger. Ein Merkmal der fast Fashion was kaum auffält, so lange wird es ja auch kaum getragen. Ich vermisse aber zum Beispiel schon lange das Gefühl einer echten Jeans zwischen meinen Fingern. Alles ist so elasthisch geworden, so dünn. Ein weiterer Grund für mich, warum ich Synthetik meide ist jedoch nicht nur die Tatsache, dass ich kein Plastik auf meiner Haut tragen möchte. Seit langer Zeit schon weiß ich von Mikroplastik und das es über die Wäsche in unser Abwasser gelangt, in unsere Flüsse und Seen und das Meer. Die Entwicklung in der Bekleidungsindustrie verstärkt diesen Effekt nun umsomehr.

Mehr Gift auf Baumwollplantagen als in der Landwirtschaft

Die Fläche für den Baumwollanbau im Vergleich zur Landwirtschaft ist natürlich viel geringer, liegt bei 2,5% weltweit. Aber 16% aller Pestizide werden auf den Baumwollplantagen eingesetzt. In manchen Ländern wie Indien ist es mehr als die Hälfte, obwohl, wie in diesem Fall, der Baumwollanbau dort nur 5% der bewirtschafteten Fläche einnimmt. Keine andere Anbaupflanze wird mit so vielen Giften behandelt wie die Baumwolle. Ich muss nicht gesondert darüber schreiben, dass darunter nicht nur die Schädlinge leiden, sondern natürlich auch alle Nützlinge. Auch vergiftet der immense Einsatz der Pestizide die Gewässer, ganz zu Schweigen von den Menschen die auf den Plantage arbeiten.

Was die Menge an Giften angeht, so übertrifft auch der Wasserverbrauch für den Anbau alle Maße. Das geht auf Kosten des Trinkwassers, was zudem mit Pestiziden belastet ist. Die versalzen und die Erträge der Landwirtschaft gehen dadurch zurück. Die Landwirtschaft wird also mit der Zeit immer schwieriger. Ein Teufelskreis für den wir die Verantwortung mit tragen – durch unseren Konsum und dem undendlichen Hunger auf MEHR! Und dem Textil sieht man es leider nicht an, unter welchen Bedingungen und Entbehrungen, mit welchem Leid und welcher Ausbeutung es entstand.

Der Weltmarktpreis von Baumwolle sinkt stetig

Auch hier zeigt sich wieder die Ungerechtigkeit – der Handel verlangt nach immer mehr Baumwolle. Auf der einen Seite wird sie im großen Stil in Industriestaaten unter Einsatz neuester Technik für Bewässerung und Düngung, Erntemaschinen und mittels perfekt abgestimmten Pestiziden hochprofessionell angebaut und geerntet. Die Erträge sind somit gut bis sehr gut. Auf der anderen Seite stehen die Entwicklungsländer. Auf verhältnismaßig kleinen Flächen wird zumeist von Hand angebaut und geerntet. Der Arbeitsaufwand ist hoch, der Ertrag und Gewinn dagegen viel geringer.

Zudem werden vor allem in den Industrieländern, in den USA und China zum Beispiel hohe Subventionen an den Baumwollanbau gezahlt. So potenziert sich der Preisverfall, da diese Länder auch den Großteil der Baumwolle liefern. Ein Kilo Baumwolle kostet heute im Vergleich zu 1975 nur noch halb so viel und der größte Preisverfall fand in den letzten Jahren statt. Immer mehr für immer weniger – das kommt mir irgendwie bekannt vor…!!

Fast Fashion – am Ende steht die Frage WARUM?

Ich persönlich glaube, auch wenn die meisten von uns schon irgendetwas wissen von den Umständen in der Textilbranche oder dem Baumwollanbau, so ist das alles doch so fern in dem Moment, wenn sie durch die Straßen bummeln, in die Schaufenster schauen oder die Kleiderstangen durchforsten. Diese Gedanken werden sie nicht aufhalten, dafür ist das alles zu weit weg und in unserer Gesellschaft so unvorstellbar, dass auch kein Gefühl dafür entwickelt werden kann wenn man nicht mit einer ordentlichen Extra Portion Empathie ausgestattet ist.

Und dann ist da noch der Preis – bei Primark und Co gilt die Devise viel für billig und das nach dem fast Fashion Prinzip, also die ständige Erneuerung des Kleiderschranks. Wer nicht gerade im anderen Extrem lebt und nur Luxusartikel einkauft freut sich über die vielen günstigen Angebote. Aber so kann es nicht weitergehen, wir shoppen uns in Grund und Boden und zerstören auch in diesem Bereich WERTvolle Ressourcen, Existenzen und nicht zuletzt unseren eigenen Lebensraum!

Was kannst DU tun?

Ich persönlich habe immer dieselbe Antwort – egal worum es geht. Sie ist für mich schon lange die Richtschnur im Leben und sorgt dafür, dass ich zentriert und wachsam bleibe. Es ist die Achtung vor dem wahren WERT der Dinge!

Wie viel ist dir etwas WERT? Und damit meine ich nicht die Jagd nach dem günstigsten Angebot sondern die ehrliche Frage an dich selbst. Manchmal hilft der Gedanke, wie wertvoll etwas wäre, wenn du es selbst erschaffen hättest – würdest du deine Arbeit für ein paar Cent verkaufen? Eine selbstgemachte Seife, ein selbst gebackenes Brot? Wie viel Zeit und Arbeit steckt in den Dingen die du kaufst? Was wurde dafür an Material verbraucht? Wenn ich meine eigene WERTschätzung in ein gesundes Verhältnis setze, wie kann ich dann noch die Leistung anderer nicht wertschätzen? Dann wird aus einem immer mehr ein weniger ist mehr und ich beginne das, was mir wichtig ist achtsam und sorgsam zu behandeln. Ein T-Shirt von 4 Euro ist mir nicht viel wert, es hat ja auch nicht viel gekostet… Ein T-Shirt von 40 Euro ist da schon wertvoller und ich gehe sorgsamer damit um.

Material statt Masse

Worauf ich beim Einkauf achte und womit ich schon per se viele Produkte aus meinem Einkaufskorb verbanne, sind das Material, die Inhaltsstoffe und Verpackung. Bei Bekleidung schaue ich auf reine Baumwolle oder Wolle in Bio Qualität und meide Synthetik in jeglicher Form. Das funktioniert nicht immer zu 100% aber es schärft die Wahrnehmung und schafft eine Aufmerksamkeit. So wandert nichts mehr gedankenlos in die Tasche – jedes Schildchen wird gelesen und bewertet und dann ist das Teil vielleicht schon gar nicht mehr so schön.

Es gibt aber auch Synthetische Fasern die aus natürlichen Rohstoffen wie Holzfasern, Milch oder Obstschalen hergestellt werden. Viscose zum Beispiel oder noch besser Modal oder Lycocell (Tencel). Denn während Viscose durch chemische Prozesse aus Holzfasern gewonnen wird, stammt bei den letztgenannten die Zellulose von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Auch die Herstellung von Modal und Tencel ist ökologisch. Streng genommen ist es sogar biologisch abbaubar. Das sind für mich gute Ergänzungen zu Baumwolle und Wolle.

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in mein Wertesystem geben und dich zum nachdenken bringen – alles Weitere überlasse ich dir! Die Informationen zu diesem Blogbeitrag habe ich vornehmlich aus der Reportage des ndr „Mehr wissen – besser Leben im Einsatz gegen die Wergwerfmode und von den Seiten des ndr, dem Umweltinstitut München e.V. und Greenpeace sowie meinem eigenen Wissen.

3 Kommentare zu “FAST Fashion – wir shoppen uns in Grund und Boden!

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