WERTstoff

SCHLÜSSELerlebnisse

Ich möchte in diesem Blogbeitrag mal ein bißchen von mir erzählen und darüber, welche Erfahrungen seit meiner Kindheit dafür verantwortlich sind, dass ich so lebe und denke und auch diesen Blog führe: Dazu möchte ich ein wenig ausholen, denn wie es im Leben so ist passiert nichts ohne Grund. Erlebnisse schöner oder unschöner Art haben machmal die Kraft, den Geist tiefgreifend zu bewegen und nachhaltig zu verändern. In meinem Leben stehen drei wichtige Punkte im Fokus und für diese drei Punkte kann ich ganz genau meine prägenden Momente dazu aufzählen. Das meiste liegt in meiner Kindheit und Jugend, und von da an habe ich es nur weiter definiert und durch weitere Erkenntnisse perfektioniert.

Diese drei Punkte in meinem Leben wären:

  1. Umweltschutz eine Liebe zur Natur
  2. Tierliebe und die Achtung vor allem Leben
  3. Müllvermeidung und Nachhaltigkeit

Entschuldigung, Sie haben da was verloren

Diesen Satz rief mein Vater mal in der Fußgängerzone einem Radfahrer hinterher, als dieser im Vorbeifahren einfach seinen Müll auf die Straße warf. Da war ich vielleicht 10 Jahre alt – oder jünger. Ich kann mich aber noch genau daran erinnern, wie der Typ mit seinem Rad eine Vollbremsung machte und sich verdutzt umschaute. Mein Papa zeigte auf das zerknüllte Etwas auf dem Boden und wiederholte: „Das haben Sie gerade verloren!“. Der Typ wurde richtig sauer, stellte sein Rad ab und kam sich groß machend auf meinen Vater zu. In dem Moment hatte ich echt Angst bekommen aber glücklicherweise ist nichts weiter passiert als ein paar Beschimpfungen und Drohungen. Damals war ich sehr stolz auf meinen Papa und von da an hatte ich diese Szene immer im Kopf. Das man seinen Müll nicht einfach achtlos irgendwo hinwirft, das hatte ich verstanden.

Zu diesem Erlebnis gibt es noch einen Film, der mich in meiner Jugend ebenfalls verschreckt und tief berührt hat. Dieser Film heißt „Silent Running“ und handelt von der Verseuchung unserer Erde. Große Raumschiffe wurden ausgesendet, alle Tiere und Pflanzen unserer Erde zu erhalten, bis die Erde wieder besiedelungsfähig ist. Es kommt jedoch der Befehl von der Erde, dass die „Archen“ nicht länger benötigt und abgesprengt werden sollen. Die Crew soll nach Hause kommen. Ein Crewmitglied kann das nicht hinnehmen und versucht, wenigstens ein Raumschiff und die darauf lebenden Tiere und Pflanzen zu retten. Ein Film, den ich schon so oft gesehen habe und der mir beim Schreiben dieser Zeilen immer noch die Tränen in die Augen treibt. (Wall:E hat für mich eine ähnliche Kraft und Aussage und diesen Film schauen wir uns auch regelmäßig mit unseren Kindern an)

200 Schweine in der Mastanlage elendig krepiert

Diese Meldung hörte ich im Radio. Bei uns in der Region war der zentrale Steuerrungscomputer einer Schweinemastanlage ausgefallen. Die Tiere bekamen kein Futter und kein Wasser mehr und die Klimatisierung und Belüftung fiel auch aus. Das bedeutete, dass die Tiere verhungert und verdurstet sind und an Ammoniakvergiftung starben, sich in ihrem Leid sogar gegenseitig angefressen haben. Es fiel erst Tage später auf, als jemand wieder mal dort vorbeischaute um nach dem Rechten zu sehen… Über diese Nachricht war ich so schockiert, dass ich von diesem Tag an kein Fleisch mehr essen wollte. Ich wollte diese Tierquälerei nicht länger unterstützen und ich wollte auch dieses Fleisch nicht länger in mich aufnehmen – all den Stress, das Leid, den Schmerz und die Angst, die ein Tier bis zu seinem Tod erlebt hat.

Dazu kam noch eine weitere Situation, als ich auf der Fahrt mit dem Auto einen Schweinetransportanhänger voller Schweine auf einem Parkplatz stehen sah. Er war abgekuppelt und stand mitten in der Sonne – einfach so. Ich hatte solche Angst um die Tiere, dass sie einen Hitzschlag erleiden und rief die Polizei an, mehr fiel mir in diesem Moment nicht ein. Der nette Mann am Apparat erklärte mir dann ganz freundlich, dass das alles vollkommen in Ordnung wäre. Der Fahrer hätte den Anhänger dort abgestellt um noch eine weitere Ladung Tiere abzuholen und käme dann später wieder, um auch diesen Wagen wieder anzuhängen und weiterzufahren. Auf meinen Einwand, dass die Tiere in der prallen Sonne stünden und das gefährlich und eine Quälerei wäre ließ er sich nicht ein. Alles in Ordnung, alles legal und erlaubt… Ich war so wütend, fassungslos und auch enttäuscht. Seitdem hat auch jeder Tiertransporter, den ich sah mich zum Weinen gebracht.

Mamas Stofftaschen und ums verrecken keine Tüte

Wenn meine Eltern einkaufen gegangen sind hatte meine Mama immer ihren Korb und ihre Taschen mit dabei. Das ging gar nicht ohne – auch wenn sie uns Kinder irgendwohin geschickt hat zum einkaufen. Für mich war das ganz normal. Auch die Tatsache, das Plastikverpackungen, wie die um das Toilettenpapier, feinsäuberlich mit der Schere aufgeschnitten und noch als Mülltüte gebraucht wurden (und die wurde so lange ausgeschüttet und wieder gebraucht, bis es nicht mehr ging). Auch Tüten, die über andere Wege zu uns kamen wurden von meiner Mama sorgfältigst gefaltet und aufbewahrt für irgendwelche Zwecke, wo dann mal eine Plastiktüte gebraucht wurde. Ich kann nicht sagen, dass meine Eltern darauf achteten wenig bis keinen Plastikmüll zu produzieren. Damals war dieses Thema noch nicht im Bewusstsein. Aber sie achteten grundsätzlich darauf, wenig Müll zu produzieren. Es wurde alles bis zum letzten aufgebraucht, das Marmeladenglas noch ausgeschabert, das Butterpapier mit dem Messerrücken abgeschabt und die Zahnpastatube noch mit dem Stiel vom Kamm bis aufs Letzte ausgequetscht.

Ich weiß, dass ich zu der Zeit schon sensibel für das Thema Müllvermeidung war. Und ich kann mich auch noch genau daran erinnern (da bin ich noch zur Schule gegangen), dass ich die Idee hatte und einen eignenen Laden aufmachen wollte nach der Schule. Einen Laden, wo man alles UNVERPACKT direkt aus den Säcken unnd Behältern kaufen kann. Nudeln, Reis, Mehl… in den Mengen wie man es braucht und möchte. Meine Mama sagte mir damals, dass das nicht ginge, wegen der Hygienevorschriften. Und ich hab ihr das geglaubt, klang auch irgendwie logisch. Den Laden hätte ich auch so sicher nie eröffnet. Aber ich freue mich über die Erinnerung daran, schon vor über 20 Jahren die Idee für den ersten Unverpacktladen gehabt zu haben ;o)

Abi, Ausbildung, Studium

In dieser Zeit war ich mir vor allem selber wichtig – das, was ich zu mir nehme und das, was ich an meine Haut lasse. Ich war Vegetarierin, ernährte mich nur von Bio-Produkten und pflegte mich mit Naturkosmetik. Aus dieser Zeit stammt auch mein Büchlein zu den Inhaltsstoffen, welches mich immer begleitete und mit der Zeit zur Expertin gemacht hat. Der Fokus lag aber vor allem bei mir – was ich esse, was ich kaufe und nutze. Die Gedanken, die ganze Problematik, die ich für mich gelöst hatte auch global zu sehen, die hatte ich nicht. Bis auf die Idee in meinem Studium, Körperpflege in Konzentraten zu entwickeln um so Verpackung zu sparen. Damals ging es um das Thema Verpackungsdesign und ich hatte unter anderem die Idee Verpackungsmüll zu reduzieren durch Nachfüllkapseln. Ganz so weit weg von meiner heutigen Idee der Shampoo Perlen war ich also nicht und vergessen habe ich es auch nie.

Mit meiner nächsten und bis heute andauernden Beziehung vergrößerte sich dann mein Blickwinkel. Meinem Mann ist auf seine Weise die Nachhaltigkeit genauso wichtig – sein Thema ist seit jeher das nachhaltige und sozialverträgliche Wirtschaften. Damals flogen wir auf die LOHAS Konferenz nach Boulder und hier wurden nochmal meine Sinne für die Müllvermeidung, das Recycling und Konzept des cradle-to-cradle geschärft. Diese Reise war sehr inspirierend und wegweisend für meine weiteren Gedankengänge. Schon zu dieser Zeit bin ich dann zum Beispiel auf Seifen umgestiegen um die Plastikflaschen im Bad einzusparen. Und auch sonst habe ich so gut es ging plastikfrei eingekauft. Wenn vor allem Obst oder Gemüse in Folie oder Tüte verpackt war, dann hab ich es aus Prinzip schon liegen gelassen. Traurig machte mich zu der Zeit, dass vor allem die Bio Lebensmittel in Plastik verpackt waren, um sie von der konventionellen Ware sicher getrennt zu wissen.

Den Lachs esse ich nicht, der ist mir zu billig!

Noch eine Geschichte zum Prinzip, denn bei Prinzipien (manchmal auch Dogmen… oweia) bin ich echt ziemlich straight. Mit dem Satz „den Lachs esse ich nicht, der ist mir zu billig“ habe ich mal meine Eltern schockiert. Bei uns zu Hause gab es nie viel Fleisch oder Fisch zum Essen. Dafür hat meine Mama am Wochenende immer etwas Besonderes gekocht. Zum Beispiel Lachs in Weißwein-Sahnesoße mit bunten Nudeln und Spinat. Ich hatte mich dann irgendwann geweigert den Lachs zu essen denn ich wusste zu der Zeit schon von der Überfischung der Meere. Und davon, dass diese großen Trawler auch noch den ganzen Meeresboden aufwühlen und zerstören.

Zugegeben, der Lachs stammt aus der Zucht aber mir war es wichtig zu Hause ein Zeichen zu setzen dafür, dass Geld eine Stimme hat und der Kassenbon der Stimmzettel ist. Und das Produkte ihren wahren Preis haben sollten und Lachs und Meeresfisch eben viel teurer verkauft werden müssten. Dann könne man sich den nicht mehr so oft leisten und dementsprechend müsste nicht mehr übermäßig gefischt werden bei gleichem Verdienst für die Fischer – so meine Theorie. Der Preis entscheidet über den WERT eines Produktes und der war meiner Meinung nach bei viel zu vielen Produkten – sei es durch Subventionen, durch Ausbeutung und kriminelle Machenschaften – einfach FALSCH! Verrückt, wenn ich das jetzt so schreibe und darüber nachdenke, muss ich mich selbst (be)wundern. Ich hatte diese ganzen vielen kleinen Puzzleteile als Gesamtwerk gar nicht im Blick. Aber es passt alles zusammen und je länger ich hier sitze und schreibe, umso mehr fällt mir ein!

Stoffwindeln und windelfrei – der Gipfel meiner „Merkwürdigkeit“

Mit den Kindern kam für mich der nächste logische Schritt zur Müllvermeidung. Wegwerfwindeln kamen für mich nicht in Frage und so wurden alle Kinder ganz klassisch mit Stoffwindeln und Überzughosen aus Wolle gewickelt. Wo immer es ging waren die Kinder windelfrei und wurden übers Schüsselchen abgehalten. Eine ganz wunderbare Erfahrung zudem zu erkennen, dass schon Säuglinge vom ersten Tag ihrer Geburt an in der Lage sind, ihre Ausscheidungen kontrolliert loszulassen. Trotzdem muss ich gestehen, dass zu dieser Zeit auch wieder viel Plastik in unser zuhause einzog – nicht immer so einfach alles nur mit Naturmaterialien und Holz zu zu lösen.

Für viele in meinem Umfeld muss ich ziemlich verrückt und vielleicht auch verbissen gewirkt haben. Wenn ich so zurückdenke habe ich mich damit sicher auch ziemlich gestresst. Aber es war mir wichtig und deshalb habe ich es durchgezogen. Die Entspanntheit durch Wegwerfwindeln habe ich aber nie vermisst und würde es immer wieder so machen – habe ich ja auch bei allen Dreien ;o) Bis dato hatte ich den Fokus aber auch nur auf der Plastik- und Müllvemeidung und weniger dem Plastik an sich. Ich war noch lange in dem guten Glauben, dass alles an Plastik, was in den gelben Sack wandert auch wieder zu wunderschönen neuen Plastiksachen recycelt wird. Ich wusste lediglich, dass gemischte Kunststoffe und solche, die mit Zusatzstoffen wie Glimmerpartikeln oder andern Beimischungen versehen sind, sich nicht recyceln lassen. Insgesamt war ich bei dem Thema Kunstoff Recycling aber lange Zeit sehr blauäugig. Ich war nur stets darauf bedacht, sauber und ordentlich zu trennen…

Die brennende Müllinsel auf den Malediven

Das war ein Schock! Und dieses Wissen habe ich meinen Eltern zu verdanken. Die hatten mich nämlich auf eine RTL Reportage aufmerksam gemacht – das Jenke Experiment. Erst hatte ich mich gar nicht weiter dafür interessiert. RTL ist nicht mein Sender und ich war auch so überheblich zu glauben, dass ich da sicher keine neuen Erkenntnisse erlange. Ich hab’s mir dann aber doch angeschaut. Und was soll ich sagen: war wieder einmmal in meinem Leben völligst schockiert! Ich will es nicht weiter erläutern aber die Kerninformation für mich war, dass unsere schönen gelben Säcke eben nicht alle schön recycelt werden, sondern auch verbrannt oder verschifft werden. Ich empfehle jedem, der das noch nicht gesehen hat, sich diese Sendung anzuschauen. Daraufhin hat sich unser Verpackungsmüll nochmal drastisch reduziert.

Ziemlich zeitgleich hat noch eine andere Reportage meine Aufmerksamkeit erregt und mein Konsumverhalten verändert. Und zwar die Sendung „Europas dreckige Ernte„. Almeria als Herkunft für Obst und Gemüse ist mir seitdem auch im Bio Bereich ein rotes Tuch! Erschreckenderweise hat dies aber auch unsere Auswahl extrem eingeschränkt, denn so ziemlich alles kommt von da! Bis dato hatte ich nur ein Augenmerk darauf, Obst und Gemüse saisonal und regional zu kaufen. Bei uns gibt es im Winter zum Beispiel weder Gurken noch Tomaten. Ich wusste zwar schon lange von dem Wasserproblem in Spanien, deswegen habe ich wo es ging Obst und Gemüse aus Deutschland oder Anrainerstaaten gekauft. Das an diesen Produkten aus Almeria aber auch ein sogenannter „Arbeiterstrich“ hängt, die Bauern dort in der Hand der Großkonzerne sind und in Italien die Mafia mit im Spiel ist, das war neu für mich. Diese Machenschaften bezahle ich auf gar keinen Fall!

Und jetzt?

Unsere Welt verändert sich – immer schneller, immer drastischer! Der Klimawandel als übergeordnete Gefahr macht mir Angst. Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, brauchen wir uns keine Sorgen mehr um den Plastikmül machen. Vor allem, und selbst diese Ansicht wird gerade Realität, hatte ich schon lange die Sorge, dass uns die Auswirkungen des Klimawandels schon viel früher und massiver treffen werden als angekündigt. Nicht in fünzig Jahren, nicht 2030, nein schon heute und morgen. Abschließend zu diesem kleinen Einblick in meine Gedanken und Beweggründe möchte ich sagen, dass vor allem die Geburt unserer Kinder den Fokus von mir weg auf unsere Gesellschaft und Zukunft gesetzt hat. Seit ich Kinder habe, habe ich an Weitsicht dazugewonnen. Und ich kann nicht verstehen, wie Menschen so egoistisch und kleingeistig handeln können – nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht ohne Rücksicht auf die Konsequenzen!

Wie Müll und Chemikalien in die Meere verklappt werden, wie Menschen ihres Lebensraumes und ihrer Würde beraubt werden, wie ganze Habitate abgebrannt und gerodet werden, wie wissentlich Fehler und Umweltsünden begangen werden weil es eine Lücke gibt durch die man schlüpfen kann. In vollem Bewusstsein und mit Absicht, ohne Gewissen, ohne Reue. Das alles macht mich so unendlich sprachlos und traurig, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo ich anfangen und aufhören muss – um mich nicht zu verlieren und auch nicht zu vernichten. Oje, sehr dramatisch dieses Ende, aber ein wenig Hoffnung gibt es ja auch und daran halte ich mich ganz fest. Es ist die Erkenntnis, dass es ganz, ganz viele Menschen gibt, die ähnliche Gedanken und Erfahrungen gemacht haben wie ich. Und die deswegen ähnlich Denken und Handeln. Und damit wiederum andere inspirieren und anstecken – und so werden wir immer mehr! Auch das beobachte ich täglich und gibt mir Kraft und Zuversicht. Für mich persönlich habe ich nur den einen Wunsch: Zu wissen, wenn ich dieses Leben verlasse, dass unsere Kinder in Sicherheit sind!

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