UNSER täglich Gift gib uns heute – Teil I

Ich weiß, wir haben schon genug Probleme – trotzdem möchte ich heute auf ein weiteres aufmerksam machen, welches wohl noch nicht vielen bewusst ist, nämlich unser Wasser. Wasser? Klar ist das ein bekanntes Problem, Wasserknappheit hatten wir dieses Jahr! Und ja, das auch. Ich möchte jedoch über unser Abwasser sprechen, und über das unappetitliche Thema Kläranlagen. Denn abgesehen davon, dass viele Menschen meinen das Wasser, welches durch unseren Abfluss rinnt, kommt gesäubert durch die Kläranlagen später wieder aus unserem Wasserhahn – wissen die wenigsten, dass unser Abwasser auf dem Weg zurück durch unseren Wasserhahn jede Menge Schadstoffe im Gepäck hat, die wir zuvor selbst durch den Abfluss gespült haben.

Und weil das ein ganz großes Thema ist, mache ich dazu in den kommenden Wochen zwei bis drei Beiträge, um jeweils auf verschiedene Punkte näher eingehen zu können, ohne hier den Rahmen zu sprengen. Vorab: ich bin weder Wissenschaftlerin, noch möchte ich eine wissenschaftliche Abhandlung zu diesem Thema verfassen. Ich konzentriere mich hier allein auf die Themen, die uns rund um unseren Alltag begegnen und mit denen ich mich hier sowieso auseinandersetze. Und so beschäftige ich mich auch nur mit Stoffen, die ich kenne und die wir tagtäglich durch unseren Abfluss laufen lassen. Und das sind in erster Linie Wasch- und Reinigungsmittel sowie Produkte zur Körperpflege. Der erste Teil beschäftigt sich mit unserem Trinkwasser, der Trinkwasseraufbereitung und der ersten großen Gruppe an Schadstoffen, die wir durch den Gebrauch von Reinigungsmitteln in unser Wasser eintragen.

Woher stammt überhaupt unser Trinkwasser?

Tatsächlich kommt aus unserem Wasserhahn im Wesentlichen Grund- und Quellwasser, zum Teil auch Wasser aus Seen und Talsperren. Grundwasser macht durchschnittlich mit über 60% den größten Anteil aus. Es entsteht bzw. bleibt gefüllt durch das Versickern von Regenwasser oder auch Flüssen und Seen. Dabei wird das Wasser auf seinem Weg über die verschiedenen Sedimentschichten des Bodens ganz natürlich gefiltert und gereinigt. Über Brunnen, die bis zu 400 Meter tief reichen, wird es für uns in die Wasserwerke gepumpt, dort kontrolliert und aufbereitet und in unser Trinkwassersystem eingespeist.

Die Aufbereitung unseres Trinkwassers in den Wasserwerken wird durch chemische und physikalische Verfahren erreicht. Für einen gleichbleibenden Standard sorgt die deutsche Trinkwasserverordnung. Vor allem bei der Aufbereitung von Grundwasser geht es dabei um die Befreiung des Wassers von Stoffen wie Eisen, Mangan oder Schwefelwasserstoff. Auch die Desinfektion des Wassers spielt eine Rolle, um es zu entkeimen und bakteriellen Verunreinigungen vorzubeugen.

Wo geht unser Abwasser hin?

Unser Abwasser gelangt über die Kanalisation in die Kläranlagen. Dort wird es über mehrere (zumeist drei) Stufen gereinigt. Zuerst werden mit Rechen grobe Verunreinigungen wie Hygieneartikel herausgezogen. Diese und viele andere Produkte aus unseren Badezimmern gehören keinesfalls in den Abfluss oder die Toilette – eine Freundin erzählte mir zum Beispiel mal, dass sie lange Zeit die Versiegelung der Zahnpastatuben im Waschbecken runtergespült hat – WHAT?. Auf diese mechanische Reinigung folgt eine biologische Reinigung, in der Mikroorganismen, Pilze und Bakterien organische Verunreinigungen abbauen. Zum Schluss folgt noch eine chemische Reinigung, die organische Verbindungen abbaut oder ausfällt. Vor allem Phosphor wird in diesem Schritt dem Wasser entzogen.

Der bei diesen Prozessen anfallende und hoch toxische Klärschlamm wird in einem Faulturm aufgefangen, in dem er unter anaeroben (ohne Sauerstoff) Bedingungen zersetzt wird – ähnlich einer Biogas-Anlage. Das geklärte Wasser wird wieder zurück in Flüsse und Seen geleitet und gelangt so über Umwege auch wieder in unser Grundwasser – und damit durch unseren Wasserhahn wieder zurück zu uns.

Problem Klärschlamm

Klärschlamm ist zuerst einmal sehr nährstoffreich, da ja die Mikroorganismen beim biologischen Abbau viel Masse produziert haben. Er ist aber mitunter auch sehr belastet mit Schwermetallen und anderen giftigen Stoffen. Laut der Klärschlammverordnung kann und wird er als Dünger verwendet, weil er zum Beispiel auch sehr nitratreich ist. Das er als Dünger auf unseren Äckern landet ist aber immer seltener der Fall, da die Belastung des Klärschlamms seit Jahren immer weiter zunimmt und er somit den Anforderungen laut der Verordnung nicht mehr entspricht. Zudem wurde allein über den Klärschlamm Mikroplastik in Mengen auf den Äckern verteilt, die laut Hochrechnungen größer ist als die Menge, die in unseren Meeren landet!

Daher landet der Klärschlamm mittlerweile überwiegend in der thermischen Verwertung. Was sehr schade ist, denn der Klärschlamm enthält sehr viele Mineralien, Salze und andere Stoffe, die wir eigentlich recyceln sollten. Und überhaupt ist eine thermische Verwertung, egal welchen Ausgangsmaterials, immer die schlechteste Form der Verwertung.

Kläranlagen sind zunehmend überfordert

In der heutigen Zeit hat die Zahl der Stoffe, die es aus dem Wasser zu filtern gibt, erheblich zugenommen. Und das ist nur die Zahl der bekannten Stoffe, nach denen gezielt Ausschau gehalten wird. Viele dieser Stoffe lassen sich über die drei genannten Reinigungsstufen jedoch gar nicht mehr herausfiltern oder abbauen. Neuere oder aufgerüstete Anlagen arbeiten daher mit einer vierten Reinigungsstufe, welche entweder nach dem Prinzip der Adsorption arbeitet, oder dem Prinzip der Ozonierung, oder beides.

Auch hier liegt die Tücke im Detail. Bei der Adsorption wird Aktivkohle eingesetzt, welche gezielt Stoffe anzieht und bindet. Die Aktivkohle muss jedoch regelmäßig erneuert oder reaktiviert werden. Die Umweltbelastungen und der Energieverbrauch bei der Herstellung und dem Transport der Aktivkohle sind dabei erheblich. Bei der Oxidation durch Ozonierung sollen synthetische Stoffe, die nicht biologisch abbaubar sind, dennoch abgebaut werden. Dabei entstehen Derivate (Abbaustufen), aus denen sich währed des Prozesses mitunter neue Substanzen bilden können. Diese neugebildeten Stoffe stellen eine zusätzliche Gefahr dar, denn diese verbinden sind unkontrolliert und mitunter ist nicht bekannt, welche Stoffe neu entstanden sind. Dazu kommt, dass man auch nichts über ihre Ökotoxizität man weiß. Und noch schlimmer, diese Stoffe werden dann noch nicht einmal gefunden, denn man kann das Wasser nur auf Stoffe hin untersuchen die man kennt. Alles in allem meiner Meinung nach also ein zweischneidiges Schwert.

Was ist alles drin im Abwasser?

Dazu eine kleine Geschichte zur Einstimmung, der ein oder die andere kann sich vielleicht noch daran erinnern…

In den 60er Jahren kamen die ersten industriell produzierten Waschmittel auf den Markt. Die Auswirkungen der Produkte auf die Umwelt waren nicht erforscht und durch die zunehmende Industrialisierung erhöhte sich gleichzeitig die Abwassermenge ganz erheblich, welche ungehindert in die Umwelt gelangte. Die Tensidkonzentration in den Gewässern stieg daraufhin so massiv an, dass sich ganze Schaumberge auf Flüssen und Seen bildeten, mit lebensbedrohlichen bis tödlichen Auswirkungen auf die darin lebenden Organismen. (Kleiner „Funfact“: Meine Oma verfütterte das Waschwasser aus dem Zuber nach der Wäsche den Schweinen – der Hersteller Sil empfahl das so zur Entsorgung bzw. weiteren Verwendung…!)

Daraufhin trat das Detergenziengesetz in Kraft, welches die biologische Abbaubarkeit der Tenside regulieren sollte, um die Gewässerbelastung durch die Tenside einzudämmen. In den 70er Jahren dann wurden die Phosphate in Waschmitteln zunehmend zum Problem. Sie führten zu einer Überdüngung des Abwassers. Die vermehrte Algenbildung und das daraus entstehende Ungleichgewicht in den Gewässern sowie die Überdüngung der Böden waren die Folgen. Auch hier sorgte ein Gesetz für die Regulierung des Phosphateinsatzes und mittlerweile sind viele Waschmittel sogar gänzlich phosphatfrei.

Tenside sind waschaktive Substanzen, die Schmutz lösen und ölige Stoffe binden können

Tenside stecken vor allem in Wasch- und Reinigungsmitteln. Ca 55% macht ihr Anteil auf diesem Gebiet aus. Weitere 15% verteilen sich auf die Kosmetik- und Pharmaindustrie. Die restlichen 30% werden in Gewerbe und Industrie in der Produktion oder Reinigung, für Pflanzenschutzmittel und in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt. Heute müssen Tenside nach dem Wasch- u. Reinigungsmittelgesetz (WRMG) zu mind. 80% primär biologisch abbaubar sein. Das heißt, sie werden im Abwasser zum Teil schon abgebaut, bevor sie überhaupt die Kläranlage erreichen. Aber auch beim Totalabbau in der Kläranlage dürfen keine giftigen Zwischenprodukte sowie giftige Endprodukte entstehen.

Seit Oktober 2005 ist es Gesetz, dass Tenside in Produkten für den Endverbraucher zu 100% biologisch abbaubar sein müssen. Lediglich für industrielle und gewerbliche Produkte gilt diese Verordnung nicht in vollem Maße. Leider bedeutet die vollständige biologische Abbaubarkeit lediglich, dass unter Laborbedingungen ein Tensid binnen 28 Tagen zu mindestens 60% abgebaut sein soll, um davon auszugehen, dass eine 100%ige biologische Abbaubarkeit in der Kläranlage gewährleistet ist. Vor allem aus Erdöl synthetisierte Tenside zerlegen sich jedoch teils in schwer abbaubare und auch toxische Zwischenprodukte, die in dieser Form die Kläranlage verlassen.

Tensid ist nicht gleich Tensid

Tenside können natürlichen Ursprungs sein, aus z. B. nachwachsenden Rohstoffen, pflanzlichen oder tierischen Fetten. Synthetische Tenside werden aus Erdöl und daraus synthetisierten Stoffen hergestellt. Tenside werden meist schon im Kanal auf dem Weg zur Kläranlage primär abgebaut, d.h. sie verlieren ihre Fähigkeit, die Grenzflächenspannung herabzusetzen. Danach trennt sich jedoch ihre weitere biologische Abbaubarkeit aufgrund ihrer Ausgangsrohstoffe. Tenside, basierend auf nachwachsenden Rohstoffen, sind in der Regel auch nach ihrer primären Zerlegung leicht und vollständig biologisch abbaubar. Zurück bleiben Wasser, Mineralien und CO2.

Aus Erdöl synthetisierte Tenside dagegen bilden dabei teils Metabolite (Abbauprodukte), die nicht biologisch abbaubar und im Gegenteil toxischer als zuvor sein können. Diese Abbauprodukte passieren die Kläranlage und werden danach wieder in unsere Gewässer eingeleitet. Ein Tensid, welches in diesem Verdacht steht, ist zum Beispiel das LAS, welches massenweise in Reinigungsmitteln eingesetzt wird, denn es wird aus Erdöl synthetisiert und ist sehr günstig. Übrigens – Tenside stecken in Form von Emulgatoren auch in Lebensmitteln oder Produkten wie Zahncreme. Das Schäumen der Zahnpasta soll uns wie der Duschschaum ein Gefühl von Sauberkeit vermitteln. Der Schaum sagt aber nichts über die Güte eines Tensids aus. Denn zum Beispiel dürfen Wasch- und Spülmaschinenpulver nicht schäumen, ihre Tensidmischungen sind jedoch deutlich aggressiver als zum Beispiel die deines Duschgels.

Tenside und ihre Abbauprodukte in Gewässern

Werden Tenside in den Kläranlagen nicht vollständig biologisch abgebaut, so gelangen sie nach der Reinigung über den Zulauf in unsere Flüsse und Seen, in welche die Anlagen ihr Wasser einleiten dürfen. Daher ist es umso wichtiger, auf phosphatfreie und auf nachwachsenden Rohstoffen basierende Tenside zu achten. Diese finden wir hauptsächlich im Bereich der Naturkosmetik und den Herstellern ökologischer Reinigungsmittel. Je mehr Bestandteile unseres Abwassers schon in der Kläranlage herausgefiltert werden kann, desto geringer ist der Eintrag und die Belastung unserer Gewässer, die am Ende ja wieder unser Trinkwasser bereitstellen. Das sollte man sich immer vor Augen halten.

Unser Abfluss fließt nicht ins Nirwana und die Toilette ist kein Mülleimer. Das ist unser Wasser und wir brauchen es so sauber wie möglich, um uns und unsere Umwelt gesund zu halten – Merkt euch das ;o)

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