WERTstoff

RÜCKblick 2021

Ich verneige mich vor mir selbst

Heute geht es mal nicht um Rezeptideen, oder sonstige Themen dieses Blogs – heute schreibe ich mir einfach was von der Seele. Das wollte ich schon länger tun, aber das Jahresende eignet sich doch besonders für eine Rückschau. Ja, was war los 2021? Ich habe tatsächlich mein Shampoo Perlen Projekt finalisiert und verkaufe seit ein paar Wochen meine WERTstoff Shampooperlen! Dafür schon mal großen Applaus von meiner Seite! Ich glaub‘ es gibt nichts, worauf ich stolzer bin! Also wenn es darum geht, was ich selbst erschaffen habe. Natürlich bin ich mega stolz auf unsere Familie, unsere Kinder und auf alles, was ich bis jetzt geleistet habe. Aber dieses Shampoo Ding, dass ich das gemacht habe, ICH, darüber wundere ich mich manchmal heute noch ;o)

Ehrlich, da stelle ich mich hin und experimentiere, lese mich ein, probiere aus, forsche nach und lasse nicht locker. Und das passiert einfach – in einer Zeit, wo sowieso alles viel anstrengender ist. In einer Zeit mit homeschooling, homeoffice und sowieso von allem viel mehr home. Wo alle mit dem Kopf schütteln und sagen „wie machst du das bloß, und vor allem WANN?“. Auch hier ein ehrliches „keine Ahnung“ – ist einfach passiert, die Zeit war da, keine Ahnung wo die herkam – jede freie Minute würde ich sagen. Es gab Zeiten, da bin ich morgens aufgestanden und mein erster Gedanke waren die Shampoos. Den ganzen Tag kreisten meine Gedanken um die Shampoos. Ich bin abends ins Bett gegangen und hab noch drüber nachgedacht – und ihr wollt nicht wissen, wovon ich nachts geträumt hab…

Wenn du für etwas brennst…

Selbstständig bin ich schon lange – und gerne. Und ich hab meinen Job auch immer gerne gemacht. Aber dann ist da auf einmal etwas, dass dich so sehr einnimmt und nicht mehr loslässt. Jenseits dem Gefühl von Arbeit, einfach die pure Lust, und dieses Gefühl ist völlig neu. Ist wahrscheinlich das, von dem all jene sprechen, wenn es um deine Passion geht. Ja, so würde ich das nennen. Und das gibt unendlich viel Kraft, denn nichts fühlt sich wie Arbeit an.

Ich meine es Ernst, wenn ich sage, dass ich manchmal selbst den Kopf schütteln muss über mich. Geplant hatte ich es nicht, ist einfach so passiert. Aber was soll ich sagen – es hat einfach zu viel Spass gemacht, als dass ich damit aufhören konnte ;o) Und jetzt mache ich einfach so weiter. Man arbeitet ja immer auf ein Ziel hin, dass man erreichen möchte. Bei mir war es dann das fertige Produkt – die Perlen, in ihrer Verpackung, selbst hergestellt und verkaufsfertig. Und dann stellst du fest, dass das eben eigentlich erst der Anfang war und die Arbeit jetzt gerade so weiter geht. Also neue Arbeit, andere Arbeit – Vertrieb, Verkauf, Marketing…

… und das Ende nur ein neuer Anfang ist

Tja, wirklich, was nach den Perlen kommt, das hatte ich nicht wirklich auf dem Schirm. Verkaufen, ja, irgendwie so ein Onlineshop, ein paar Päckchen am Tag, das wäre schon schön… Die Website musste natürlich aufgebaut werden, Texte schreiben, Fotos… Das habe ich dann auch noch alles nebenher gemacht. Glücklicherweise war diese Arbeit ja etwas, was ich wirklich kann *lach* und auch das hat mir auch sehr viel Spass gemacht. So hatte ich mir das gedacht.

Eigentlich ziemlich blauäugig das alles – wenn ich überlege, was ich dafür investiert habe. Nicht nur Zeit, sondern auch sehr viel Geld. Angefangen bei den ganzen Rohstoffen, die ich zum Teil auch nicht in kleinen Mengen kaufen konnte, weil ich direkt beim Großhändler eingekauft hab. Lag daran, dass ich so spezielle Sachen drin haben wollte, die gibt’s so nicht. Vieles kann man in den Shops zum Seifensieden und Kosmetik rühren in kleinen Gebinden beziehen. Aber echt hochwertige Rohstoffe, spezielle Sachen, die habe ich mir zusammengesucht und bin dann bei Produzenten und Lieferanten ausgekommen. Sicherheitsbewertungen und Labortests kamen auch noch dazu, um die Shampoos überhaupt verkaufen zu dürfen.

So, dann also doch Butter bei die Fische

Ja, jetzt habe ich also eine Meeenge Shampooperlen gerollt – echt, mit meinen eigenen Händen, in meinem extra dafür ausgebauten Kellerraum – ähm, tschuldigung, der grünen Küche natürlich! Das, was bei einem Gläschen Wein in der Küche begann, muss natürlich jetzt professionell und hygienisch produziert werden. Mit Arbeitskleidung und Hygieneplan. Fühlt sich dann auch gleich ganz anders an! Und fühlt sich gut an, da unten zu stehen! Mit einem kleinen Haken, und den will ich nicht verheimlichen. Bis jetzt hatte ich mir meinen Arbeitsalltag so eingerichtet, dass ich nur an den Vormittagen gearbeitet habe und ab Mittag für die Familie da war. Heißt also, wenn alle aus der Schule und dem Kindergarten zu Hause waren, haben wir gemeinsam zu Mittag gegessen und dann den Nachmittag zusammen gestaltet mit allem, was dazu gehört – Hausaufgaben, Verabredungen, Termine oder gemeinsame Zeit, Gartenarbeit und was sonst noch so anfällt.

Mir war und ist es immer noch wichtig. Keines unserer Kinder war in der Krippe, alle sind erst mit drei in den Kindergarten. Und damit meine ich „Kindergarten“ und nicht „Kindertagesstätte“, denn um 12 Uhr habe ich die Kinder immer abgeholt und gegessen wurde zu Hause. Nur der Nick geht jetzt in einen Gesundheitskindergarten bis über den Mittag und mit Mittagsessen. Darüber bin ich jedoch sehr glücklich, denn die Kinder sind den ganzen Tag draußen im Wald und im Kindergarten wird selbst gekocht – biologisch vegetarisch. Das ist perfekt und hilft mir insofern, als das ich nach dem Mittagessen hier zu Hause noch Zeit für die Hausaufgabenbetreuung habe, bevor ich den Nick abhole. Zumindest war das noch so vor Corona und bevor der Große jetzt auf die weiterführende Schule gewechselt ist.

Und die Frage „was will ich?“

Denn aktuell funktioniert das so nicht mehr und momentan zerreißt mich der Wunsch zu arbeiten, und gleichzeitig bei den Kindern zu sein – oder auch im Garten. Der Gemüsegarten hat dieses Jahr nämlich auch ziemlich gelitten – ich hab’s einfach nicht geschafft, mich darum zu kümmern. Wie um so vieles anderes auch nicht mehr. Und das kenne ich nicht von mir. Das hat mich schon etwas „derangiert“ um das mal mit meinen Worten zu sagen! Tatsächlich hat mein Lebensmodell – morgens arbeiten und ab mittags Familie – nicht mehr funktioniert und das ist ein seltsames Gefühl, welches ich so auch immer noch nicht annehmen kann und gegen das ich mit meiner ganzen Kraft ankämpfe. Nämlich alles andere immer noch auch zu wollen und zu schaffen – ich will BEIDES!

Leider funktioniert das nicht und etwas muss ich glaube ich verabschieden, so schwer mir das fällt. Aber wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich mir die Anstrengung an, das kann es nicht WERT sein. Ich knirsche jetzt nachts mit den Zähnen… Ich habe jetzt eine „Knirscherschiene“! Mal ehrlich, das kann’s doch nicht sein?? Meine Zahnärztin sagte mir, jeder Zweite hätte eine Schiene, wohl um mir zu beweisen, dass das gar nicht schlimm ist. Ich finde das ganz furchtbar schlimm! Ich bin 43 Jahre alt und habe noch nie geknirscht! Und jetzt soll ich diese Schiene die letzten 43 Jahre meines Lebens tragen? Echt jetzt? Die Schiene hilft weder, noch löst sie das Problem! Die Gründe kenn‘ ich doch, und daran muss ich doch arbeiten. Was will ich also? Ich kann nicht alles, das habe ich jetzt zum Ende diesen Jahres verstanden und für den Beginn des neuen Jahres muss ich eine Entscheidung treffen.

Oh, und so pathetisch!

Naja, vielleicht bin ich auch gerade, wo ich das jetzt schreibe, sehr emotional! Kurz vor Weihnachten, kurz vor Silvester, kurz vor der fünften Welle… Da können einem die Gefühle schon mal durchgehen. Ich schreibe das trotzdem alles runter – zur Eigentherapie. Denn dass sich etwas ändern muss, das spüre ich schon lange. Und da sehe ich auch das Dilemma meiner Erziehung und dem Bild, was ich von Frau und Familie (anerzogen bekommen) habe, und welches Bild ich mir selbst erarbeitet habe. Leider habe ich sie wie Pauspapier übereinander gelegt – aber ein Doppelleben kann ich nicht führen, so sehr ich es auch wollte.

Es wird sich also was ändern im neuen Jahr und ich werde mich dafür neu aufstellen und positionieren. Mir Hilfe und Unterstützung in den einen Bereichen holen und andere Bereiche ganz abgeben. Und dann konzentriere ich mich auf die wesentlichen und wichtigen Dinge in meinem Leben. Das ist immer noch die Familie, aber vielleicht wird es kein Gemüsegarten mehr sein, kein Joghurt selber machen und überhaupt von allen mir selbst auferlegten Dogmen weniger. Es ist nicht schlimm auch mal zu sagen „ich schaffe das gerade nicht selbst, ich hole mir Hilfe oder ich lasse es ganz“. Denn es ist auch nicht WERTschätzend, durch alles durchzuhetzen und „dünn drüber“ zu gehen, nur damit man das Häkchen setzen kann.

AUSblick 2022

Ja, mal sehen, ich wünsche mir mehr Ruhe und Auszeiten – die muss ich mir erlauben und daran werde ich arbeiten. Pläne habe ich schon – ich möchte mehr sehen von den Dingen, Menschen und Orten, die mich inspirieren. Bei und mit denen ich mich wohl, sicher und aufgehoben fühle, wo ich singen, lachen und tanzen kann! Oje oje, noch kitschiger jetzt – bin ich von mir gar nicht gewohnt… Aber fühlt sich gerade richtig an und das brauch‘ ich jetzt. Das sind also meine Wünsche und Vorstellungen – alles zu vereinen, keine Gräben mehr überwinden zu müssen sondern die Brücke zu schlagen. Da fällt mir etwas ein, ein Satz, den ich schon als Kind im Kopf hatte. Und das ist jetzt wirklich kein scheiß, dieser Satz ist echt und drückt es heute immer noch genauso aus. „Ich wollte schon als Kind immer Ronja Räubertochter UND Prinzessin sein“ der Widerspruch in sich also.

Und ich konnte und wollte mich nie entscheiden – ich habe auch immer beides fühlen können. Oh man, was ’ne Therapiestunde jetzt für mich. Hab‘ am Anfang gar nicht gewusst, wie das hier enden würde und bin jetzt selbst bisserl überrascht vom Ergebnis ;o) Naja, musst es ja nicht lesen, wenn es dich nicht interessiert. Aber ich denke, auch dafür darf mein Blog mal herhalten und es beschreibt ja auch ganz gut, warum ich letztendlich so bin wie ich bin und tue, was mir in den Sinn kommt. Und jetzt belasse ich es also dabei, die Stunde ist leider rum – zurück zum Tagesgeschäft. Ich melde mich im neuen Jahr wieder – mit neuen Ideen und kreativen Lösungen. Bis bald, und Danke für den Fisch!

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