WERTstoff

PLASTIK Wertstoff richtig trennen

13 Fehler die wir alle machen und wie du sie verhindern kannst.

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So unterstützt du das Recycling und die Wiederverwertung!

Der gelbe Sack, das Sinnbild des Recyclings und die Verkörperung des „guten“ Mülls – nämlich der, der zu 100% wiederverwertet wird… So oder so ähnlich blickt man auf die gelben Säcke und alles, was man dort hineinwirft. Und am Ende kommen wieder schöne, neue Plastikflaschen raus! …oder doch nicht??!

Ich gebe zu, dass ich zwar (meiner Meinung nach vorbildlich) unseren Hausmüll nach bestem Wissen und Gewissen sauber getrennt habe und mir gerade der Plastikmüll sehr wichtig war, ich hatte aber überhaupt keine Ahnung von:

  1. Dem Handel mit unserem Plastikmüll und den daraus resultierenden katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt
  2. Den vielen kleinen Fallen beim richtigen trennen und sortieren die vielleicht auch dazu beitragen, dass so viel recyclebares Material verbrannt oder verschifft wird

Und ja, ich gebe auch zu, dass ich lange Zeit dachte, dass alles Plastik, welches ich brav in den gelben Sack stecke, wieder zu wunderschönen neuen Plastikverpackungen recycelt wird! Das ist leider ein großer Irrtum, denn das Recycling funktioniert bei Weitem nicht zu 100% – ich habe dazu leider keine genauen Zahlen gefunden, aber wenn ich etwas herausfinde liefere ich das noch nach. Fakt ist jedoch, dass aus einer PET Flasche nicht 1:1 wieder eine PET Flasche wird. Verluste ergeben sich in den verschiedenen Schritten des Recyclings. Und das fängt schon bei uns an. Ja, richtig – je besser wir trennen, desto größer ist die Ausbeute! Und das hat mit QUALITÄT zu tun und nicht mit Quantität!!

Was kommt denn jetzt alles in den gelben Sack?

Zu dieser Frage gibt es unzählige Pauschalaussagen die den Fragenden im ersten Schritt befriedigen und sollen. Keiner will die Mülltrennung zur Wissenschaft machen, alles soll ganz einfach sein und leicht verständlich. Kleine Flyer listen wunderschön auf, was alles in den gelben Sack gehört und was nicht. Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit und birgt viele Tücken, der Teufel steckt wie immer im Detail…

Das hier ist die Empfehlung des Unternehmens „Der Grüne Punkt“. Manch einer kann sich an den noch erinnern. Ich muss gestehen, dass er für mich völlig in Vergessenheit geraten war. Zu lange schon achte ich beim sortieren für den gelben Sack nur noch auf „Kunststoff oder nicht“. Ich möchte aber diese Listen hier als Grundlage nehmen, um auf die Widersprüchlichkeit und Problematik des Trennens aufmerksam zu machen.

13 Tipps zum richtigen Trennen

Trenne auf SICHT und nicht nach Liste

Der gelbe Sack wird leider viel zu oft missbraucht um alles Kunstoffartige zu entsorgen – Spielzeug, Gartenmöbel, elektronische Geräte (jaja, das Kunststoffgehäuse ist sicher aus Plastik, aber das Innenleben nicht, Blumentöpfe und vieles mehr… Im Grunde musst du nur ein paar einfache Regeln befolgen:

1 Trenne sauber in Einzelteile was sich trennen lässt

  • Deckel abziehen/ abschrauben (dieser besteht zumal meist aus sortenreinem PP und kann gesondert recycelt werden)
  • Etiketten/ Aufkleber und Banderolen entfernen
Du willst es genau wissen?
Beispiel Joghurtbecher: Wenn der Deckel nicht komplett vom Becher abgetrennt wird lässt sich dieser nicht sortieren da Becher und Deckel aus verschiedenen Materialien bestehen – in diesem Falle Alu und zum Beispiel PET (übrigens ist dies schon die wichtigste Regel die zu beherzigen ist, nur sortenrein kann recyclet werden!).
Auch sollten die Becher nicht ineinandergesteckt, Pappbanderolen entfernt werden und wenn möglich auch Aufkleber und Etiketten. Das erleichtert die Reinigung des Materials. Im Recyclingprozess werden diese ausgewaschen, es kommt hier also auch auf den Hersteller an, der mit wasserlöslichen Klebern arbeiten sollte. Du kannst hier aber auch gerne vorarbeiten.
Was bedeutet das also für den Arzneimittelblister, der da so schön beim günen Punkt mit aufgelistet ist?? Das ist doch so gesehen ein Kunststoff, der mit einer Alufolie verschweißt ist… Jaaaa, und deswegen brauchst du den eben nicht in den gelben Sack werfen sondern besser direkt in den Restmüll. Er würde in der Recyclinganlage (wenn er dort überhaupt ankommt) sowieso aussortiert und der „thermischen Verwertung“ zugeführt. Um also die Mengen an nicht recyclebarem Kunststoff schon zu Beginn zu reduzieren:

2 Achte auf das Material, nur sortenreiner Kunststoff lässt sicht gut recyclen

Du willst es genau wissen?
Beispiel PET-Flasche: Sie ist der Inbegriff des Recyclings und der Wertstoff lässt in der Tat gut mehrere Male recyceln. Allerdings wird aus der PET Flasche niemals mehr eine PET Flasche. Das hat mehrere Gründe, allen voran jedoch das Hygienegesetz was den Einsatz von Recyclat im Lebensmittelbereich ausschließt. Der grüne Punkt gibt hier Hinweise auf die Qualität des Materials, auf den solltest du achten… Ja, der grüne Punkt, den hatte ich auch schon vergessen so lange ist das her. Die Königsklasse ist auch hier: Je sauberer du hier trennst, desto besser lässt sich das Material recyceln. Also, Schraubverschluss ab, am Besten auch den Ring um den Flaschenhals und runter mit dem Etikett. n zu reduzieren:

Kunststoffverpackungen haben in der Regel einen Stempel auf dem Boden der einen Hinweis auf den verwendeten Kunststoff gibt. Diese Kunststoffe lassen sich gut recyclen:

  • PET (meist Getränkeflaschen mit oder ohne Pfand)
  • HDPE/ PE/ LDPE (meist Flaschen für Waschmittel und Co)
  • PP (meist werden daraus die Verschlusskappen hergestellt)

weiterhin lassen sich auch diese Kunststoffe recyclen

  • PVC
  • Styropor/ Polystyrol

3 nur entleerte und „saubere“ Verpackungen und Dosen gehören in den Sack

das heißt: keine halbvollen (Farb- oder Sprüh)Dosen – auch keine eigetrockneten Farbreste, kein elektronisches Innenleben und auch keine FILZSTIFTE und KUGELSCHREIBER

4 nur feste Kunststoffe gehören in den Sack

weicher Kunstoff enthält Zusatzstoffe, die den Kunststoff eben weich und geschmeidig machen. Er ist in diesem Falle also nicht mehr rein und kann nicht recycelt werden

5 Der Kunststoff darf NICHT SCHWARZ sein

schwarzer Kunstoff kann in der Sortieranlage nicht als Kunststoff erkannt werden (zum Beispiel Blumentöpfe aus der Gärtnerei > näheres dazu weiter unten und die verflixten Paketbänder, die zudem gerne mal die Sortiermaschine lahmlegen, weil sie sich irgendwo verheddern > gleiches gilt übrigens für die Kartoffelnetze)

6 der Kunstoff sollte bestenfalls durch den grünen Punkt oder den dreieckigen Prägestempel als recyclingfähig bzw. sortenrein gekennzeichnet sein

7 Kunststoffe im Miniformat wie die Etikettenhalter an Kleidungsstücken oder kleine Folienschnipsel lieber gleich in den Restmüll – sie sind zu klein und zu leicht um sortiert zu werden

8 Kunstoffe mit Glitzer oder Perlglanz oder anderen Einschlüssen werden durch die Beimischung dieser artfremden Stoffe verunreinigt und gehören in den Restmüll

9 Dem Kunstoff dürfen keine Klebereste anhaften – Dinge wie Tesafilm oder ähnliches an Klebestreifen und verklebten Kunststoffen gehören in den Restmüll

10 Stark verölter Kunstoff oder Weißblech (wie zum Beispiel Fischkonserven) am Besten vorher ausspülen

11 TetraPAK und Chipstüten besser gleich in den Restmüll

Die meisten Sortieranlagen erkennen diese nicht und sortieren sie aus. TetraPAK ist ein Verbund aus Karton, Kunststoff und Aluminium – mehr muss ich nicht sagen – und Chipstüten sind mit Aluminium bedampfte Kunstofffolien – da lässt sich nicht mehr viel trennen…

12 Lebensmittelverpackungen frischer Ware die zum Beispiel Wurst oder Fleisch enthalten, kannst du getrost in den Restmüll geben

Diese Kunststoffe – vor allem die Deckelfolien – sind ein Verbund mehrer Kunststoffe, da sie verschiedene Eigenschaften wie Luftdurchlässigkeit und Wasserdampfbarriere erfüllen müssen. Das schafft kein einzelner Kunststoff!

13 Und bei allem, wo du dir nicht sicher bist, wähle den Restmüll!

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart, als wolle ich mir hier keine Mühe geben, aber Fakt ist, dass die Menge an gelben Säcken insgesamt reduziert werden muss! Nicht, weil so viel nicht recycelt werden kann, sondern weil ein zuviel an nicht recyclebaren Stoffen im Recyclingsystem zu zwei Folgen führt:

  • Der nicht zu bewältigende Überschuss an gelben Säcken wandert unangesehen direkt in die thermische Verwertung

Das bedeutet, dass wertvolle Rohstoffe an recyclebarem Material vergeudet weil verbrannt werden oder sogar verschifft und in Entwicklungsländer verkauft werden. Und was das bedeutet, hat wohl so ziemlich jeder schon mal in Bildern gesehen…

  • Hochwertige, reine Kunstoffe, die sich für das Recycling eignen werden vermischt mit minderwertigen bzw. unreinen Kunststoffen. So wird das Gesamtergebnis des Recyclats verschlechtert, weil keine Sortiermaschine hundertprozentig arbeitet.

Ich habe HIER noch eine schöne Liste der AWG – Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf im Netz gefunden. Sie ist sicher nicht allgemeingültig für alle Anlagen in anderen Kreisen, aber sie ist sehr ausführlich und man findet dort sicher Anhaltspunkte zu verschiedenen Wertstoffen, bei denen man sich nicht sicher ist, wohin sie entsorgt werden sollen. ENTSORGT – schönes Wort anbei bemerkt. Wir werden also unsere „Müllsorgen“ los, sobald wir den Deckel heben und unser „Unrat“ im schwarzen Loch verschwindet. Würde meinen, dass dieses Wort nicht mehr zeitgemäß ist, denn wie wir ja mittlerweile wissen, sind wir bei der „Entsorgung“ unseres Mülls unser Müllproblem nicht los…!

Der Weg alles irdischen – Downcycling statt Recycling

Wie anfangs schon erwähnt ist die Geschichte des Recyclings nämlich leider nicht so romantisch, wie man sie sich vorstellen möchte. Die Recyclinganlagen sind mitunter schon recht ausgefuchst – wenn es denn neue Anlagen sind. Ausgerüstet mit allerlei Sensoren und Infrarot, die Kunstoffe nach Farben und Kunstoff trennen und mit Luftdüsen in den einen oder anderen Schacht pusten, Waschanlagen und allerlei anderem Wunderwerk, lässt sich unser Plastikmüll schon ganz gut trennen. Jedoch arbeiten auch die neuesten und besten Sortieranlagen nicht hundertprozentig. Und auch wenn am Ende nach Farben sortierte Recyclate rauskommen, sind auch diese nicht mehr zu 100% einsatzfähig. Zum einen, da sie nicht zu 100% rein sind – Verunreinigungen durch Produktrückstände wie Öle oder anderes – zum Beispiel auch die unvermeidbare Beimischung artfremder Kunstoffe – mindern die Qualität. Auch darf Kunstoff aus Recyclat nicht mehr in allen Bereichen verwendet werden – so zum Beispiel der Lebensmittelbereich.

Nach mehreren Recyclinggängen mindert sich die Qualität zusehends. Entsteht im ersten Gang nochmals eine Produktverpackung zum Beispiel für Haushaltsreiniger, wird im nächsten Gang vielleicht noch ein Terrassenmöbel daraus oder eine Kunstoffpalette. Am Ende der Recyclingkette entsteht der erwähnte Blumentopf. Dieser Kunststoff ist das Letzte, was das Recycling leisten kann – ein minderwertiger Kunststoff, verunreinigt und nicht weiter wiederverwertbar als in der thermischen Verwertung. RIP cradle to cradle!

Daher ist meine Devise:

Vermeide Kunststoff, wo immer es geht

Trenne sorgsam und überlege gut, was in den gelben Sack geht und was nicht

Entscheide dich für plastikfreie und/ oder langlebige Alternativen

Ende der Geschichte?

Wir können Kunststoffe nicht aus unserem Leben verbannen. Das hat uns die Sendung mit der Maus schon vor über 20 Jahren gezeigt (haha, wer ist schon so alt und hat die Folge in Erinnerung, wo Christoph in der Wohnung steht und alles verschwindet, was aus Plastik ist?!). Schau dich um, in deiner Wohnung, in deinem Transportmittel, bei deiner Arbeit. Kunststoffe sind eine geniale Erfindung an den Stellen, wo sie wirklich nützlich und mit nichts zu ersetzen sind. Wie zum Beispiel auch in der Medizin.

Langlebiger Kunstoff bzw. Kunststoff mit langer Nutzungsdauer wie ein Lichtschalter ist auch schwer zu ersetzen und spätestens bei der Verkabelung hört es dann komplett auf. Aber das ist in diesen Bereichen auch völlig okay, denn diese Produkte machen im Vergleich zu Einwegplastik(Verpackungen) und Konsumprodukten nur einen geringen Anteil aus. Das sollten wir immer bedenken und abwägen. Nicht der Plastikeinsatz in unserer Küchenschublade, nicht der Kunststoffgriff unserer Haushaltsschere und nicht der Fuß unserer Stehlampe sind das Problem…

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